Kampf um Kautschuk - Teil 3
(von Michael Prosch)
Bestimmt haben viele schon auf die Fortsetzung gewartet und heute ist es nun soweit.
Der besagte Brauerei-Besitzer THOMAS MELTON musste sich an einem Märztag um 1800 herum vor einem Gericht verantworten und trug wegen des doch feuchten Wetters den „neuen“ Regenmantel.
Dem Richter fiel der doch etwas üble Geruch auf aber MELTON ließ sich nicht beirren und verkündete dem anwesenden Publikum, dieser Mantel aus tropischem Harz hält alle Feuchtigkeit nebst Regen und Schnee vom Körper fern. Er erntete allerdings nur schallendes Gelächter.
Nun denn, auf dem Heimweg erwies sich der neue Regenmantel bei recht schlechtem Wetter als äusserst nützlich und er hatte keine Veranlassung diese in seinen Augen..Dummköpfe..zu belehren.
Er besuchte am Abend sein Stammlokal um auch dort die epochale Entdeckung zu präsentieren.
Seine Ausführungen in Bezug auf diese Errungenschaft fanden im Kreise seiner Freunde Gehör.
Allerdings traf ihn dann ein äusserst peinliches Missgeschick als er den Mantel zur Ansicht herumreichen wollte.
In der Nähe des warmen Ofens war die Kautschuklösung zerflossen und zu Brei geworden.
Als MELTON dann zu vorgerückter Stunde betrübt nach Hause strebte schwor er sich, lieber durchnässt zu werden, als einen derart neumodischen Fetzen zu tragen.
Allerdings blieb er nicht der Einzige, der von dieser „Erfindung“ bitter enttäuscht war.
Denn die Klebrigkeit in der Wärme sowie die Sprödigkeit und Steifheit bei Kälte gaben Anlass zum Ärger.
ACKERMANN als „Erfinder“ konnte keine Abhilfe schaffen und zog den Unmut der Käufer auf sich.
Er hatte keine Ahnung davon, dass die Indianer Mittel- und Südamerikas schon vor Hunderten von Jahren Regenhäute aus Gummi hergestellt hatten, die viel bessere Eigenschaften aufwiesen.
Auch konnte er nicht wissen, dass es erst rund 40 Jahre später gelang aus dem klebrigen Baumsaft brauchbare Industrieprodukte herzustellen.
ACKERMANN´s Hinweis, die Mäntel nur bei gemässigten Temperaturen zu tragen, Öfen zu meiden und den Geruch nach Teer zu ertragen konnte seine Kunden nicht überzeugen.
Na ja…wie heute…was ist schon eine Garantie ?
Im Jahre 1823 fand in seinem Labor der schottische Chemiker CHARLS MACKINNTOSH ein besseres Verfahren Regenmäntel herzustellen.
Seine mit Kautschuk-Benzol-Lösung imprägnierten Überhänge die doppelseitig mit Stoff belegt wurden waren trotz der weiterhin kautschukbedingten Mängel einigermaßen tragbar und wenigstens wasserdicht.
Sie erfreuten sich trotzdem so großer Beliebtheit, dass der Name „MACKINTOSH“ gleichbedeutend mit „Regenmantel“ wurde. In Englisch sprechenden Ländern hat die Bezeichnung bis heute ihre Gültigkeit gehalten.
In Europa bürgerten sich MACKINTOSH`s Mäntel nun auch in Edinburgh, London und seltsamerweise in Sachsen ein.
Allmählich wurde nun auch die sogen. zivilisierte Welt auf den eigenartigen Baumharz aufmerksam.
Im Jahre 1824 erreichte die jährliche Produktion von Kautschuk allerdings nicht mehr als 100 Tonnen.
Jetzt springen wir zurück nach Amerika, denn dort kam es zwischen den Jahren 1820 und 1839 dank der Hartnäckigkeit von CHARLES NELSON GOODYEAR (geboren am 29.12.1800) zu einer epochalen Entwicklung.
DAS VULKANISIEREN…ohne das bis zum heutigen Tage keine Dichtung, um in unserer Branche zu bleiben, gefertigt werden könnte.
Dazu aber mehr in Teil 4